Dachstuhl selber bauen

Am und im Haus so viel wie möglich selber zu machen, liegt schon seit einigen Jahren im Trend. Ein Grund hierfür ist der Wunsch, etwas Eigenes, Individuelles mit persönlicher Note anzufertigen, das sonst niemand hat. Ein anderer Grund ist schlicht der Spaß am Selbermachen und Selbstbauen. Auch die mögliche Kostenersparnis spricht dafür, selbst Hand anzulegen. Möbel, Deko und Praktisches für die Wohnung, Spielsachen für die Kinder oder Einrichtungen für den Garten sind Projekte, die dem Heimwerker unzählige Möglichkeiten bieten, kreativ zu werden und sich in der heimischen Werkstatt auszutoben. Geht es aber um den Hausbau und hier vor allem um den Dachstuhl, sind dem Hobby-Handwerker Grenzen gesetzt.

Der Dachstuhl wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst

Hierzulande wird der Dachstuhl üblicherweise als Holzkonstruktion ausgeführt. Allerdings ist der Dachstuhl weit mehr als ein Ständerwerk aus Balken und Sparren, das nur als Gerüst für das Dach und Untergestell für die Dacheindeckung dient. Zu den wesentlichen Aufgaben des Dachstuhls gehört, die Kräfte, die vom Dach ausgehen und die auf das Dach einwirken, aufzunehmen und gleichmäßig auf die tragenden Mauern des Hauses zu verteilen. Deshalb spielt der Dachstuhl eine entscheidende Rolle, wenn es um die Statik des Hauses geht. Dabei wiederum gibt es mehrere Faktoren, die die Statik und damit auch den Dachstuhl beeinflussen. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem

  • die Größe der Dachfläche,
  • der Neigungswinkel des Daches,
  • die Dachform,
  • die Hölzer, die für die Konstruktion des Dachstuhls verarbeitet werden, und
  • die verwendeten Materialien für die Eindeckung des Daches.

Da diese Faktoren bei jedem Dachstuhl unterschiedlich ausfallen, muss das Dach samt Dachstuhl vom Architekten oder einem Statiker berechnet werden. Außerdem kann der Bau erst beginnen, wenn eine entsprechende Genehmigung vorliegt. Selbst ein geübter Heimwerker wird an diesem Punkt also nicht um professionelle Hilfe herumkommen. Bei einem kleinen Spielhaus für die Kinder, einem Gartenhäuschen oder einer Minigarage fürs Fahrrad wird ein versierter Hobby-Handwerker die Dachkonstruktion zwar selbst planen und bauen können. Spätestens bei größeren, genehmigungspflichtigen Bauwerken oder gar dem Wohnhaus ist aber der Fachmann gefragt. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass der Gelegenheits-Heimwerker gar nicht die notwendigen Werkzeuge und Gerätschaften haben wird, um einen großen Dachstuhl zu bauen.

Bei der Dachform gibt es viele Möglichkeiten.

Eine Entscheidung, die bei der Planung des Dachstuhls getroffen werden muss, ist die Form des Daches. Dächer gibt es in vielen verschiedenen Varianten. Zu den gängigsten Dachformen gehören diese:

Dachstuhl selber bauen

Neben den Grundformen kann ein Dach aber noch individuell abgeändert werden. So ist es beispielsweise möglich, ein schlichtes Satteldach mit Gauben auszustatten oder Dachflächen in ein Schleppdach einzubauen. Auf welche Dachform die Wahl fällt, ist zum einen eine Frage des Geschmacks. Zum anderen hängt die Entscheidung davon ab, wie der Dachstuhl genutzt werden soll. Nicht bei allen Dachformen ist es nämlich möglich, den Dachstuhl zu Wohnfläche auszubauen. Hinzu kommt außerdem die Kostenfrage, denn je aufwändiger eine Dachform ist, desto höher sind auch die Kosten beim Bau. Bevor der Bauherr in die Planungen einsteigt, sollte er sich aber erkundigen, was der örtliche Bebauungsplan sagt. Hier kann nämlich vorgegeben sein, welche Dachformen überhaupt in Frage kommen.

Nach der Berechnung folgt die Herstellung des Dachstuhls.

Sind die Planungen abgeschlossen, ist der Dachstuhl berechnet und liegt die Baugenehmigung vor, wird der Dachstuhl angefertigt. Ein Standarddachstuhl mit Normmaßen kann industriell produziert werden. Hat das Haus einen ungewöhnlichen Grundriss, setzt sich das Dach aus verschiedenen Dachflächen zusammen oder entscheidet sich der Bauherr für einen Dachstuhl außerhalb des Standards, wird der Dachstahl in aller Regel als Einzelanfertigung von einem Zimmererbetrieb hergestellt.

Ist der Dachstuhl soweit fertig, folgt das sogenannte Abbinden. Hierbei wird festgelegt, wo die einzelnen Balken und Sparren sitzen und wie sie miteinander verbunden werden. Dabei werden dann Zapfen, Winkel, Überblattungen und andere Montagemöglichkeiten festgelegt. Ist auch dieser Arbeitsschritt abgeschlossen, wird der Dachstuhl in der Werkshalle oder dem Abbindplatz aufgebaut. Dabei wird zum einen geprüft, ob alles sitzt und passt. Zum anderen werden die Einzelteile des Dachstuhls beschriftet. Dadurch kann der Dachstuhl später auf der Baustelle wie ein Puzzle zusammengesetzt werden.

Wann und wie der Bauherr den Dachstuhl selber bauen kann.

Der Dachstuhl wird in Einzelteile zerlegt auf die Baustelle geliefert. An diesem Punkt kann der versierte Heimwerker dann prinzipiell auch in den Dachstuhlbau einsteigen. Dabei wiederum gibt es mehrere Möglichkeiten, wie der handwerklich geschickte Bauherr am Bau seines Dachstuhls mitwirken kann. So kann er

  • den Dachstuhl komplett selbst aufbauen, indem er den Konstruktionsplan Schritt für Schritt abarbeitet.
  • den Dachstuhl unter Anleitung und Aufsicht eines Richtmeisters selbst aufbauen.
  • den Zimmerleuten beim Aufbau des Dachstuhls zur Hand gehen.
  • vorbereitende Arbeiten erledigen.

Entschließt sich der Bauherr dazu, den Dachstuhl komplett selbst aufzubauen, ist es aber ratsam, wenn er beim Abbinden und erstmaligen Aufbau des Dachstuhls im Herstellungsbetrieb vor Ort ist. So hat er später nicht nur den Konstruktionsplan vor sich, sondern weiß auch ungefähr, wie der fertige Dachstuhl aussehen muss. Zudem hat er die Verbindungen schon einmal gesehen. Allerdings muss dem Heimwerker auch klar sein, dass der Aufbau eines Dachstuhls nicht mit einem alltäglichen Heimwerker-Projekt wie dem Bau eines Möbelstücks vergleichbar ist. Denn die Einzelteile des Dachstuhls sind sperrig und sehr schwer. Zudem müssen sie nach oben gehievt werden und absolut sicher und stabil montiert sein. Folglich wird der Heimwerker mit seinem Akku-Schrauber und der Standardbohrmaschine nicht weit kommen. Stattdessen braucht er professionelles Zimmererwerkzeug und außerdem einen Kran, der die Bauteile nach oben befördert. Der Heimwerker ist also gut beraten, wenn er sich sehr genau überlegt, ob er es sich zutraut, den Dachstuhl selber zu bauen. Schließlich kostet ein Dach nicht nur eine Stange Geld, sondern soll auch ein paar Jahrzehnte halten. In aller Regel ist es deshalb die bessere Entscheidung, wenn der Hobby-Handwerker den Dachstuhl- und Dachbau Profis überlässt. Beim Innenausbau, bei der Ausgestaltung der Wohnräume und bei der Einrichtung gibt es für den Heimwerker schließlich noch genug zu tun!