Wer einen Schrank selber bauen will, baut zuerst einen steifen Kasten: zwei Seitenwände, Boden, Deckel und eine Rückwand, die das Ganze rechtwinklig hält. Türen, Fachböden und Griffe sind Zubehör zu diesem Korpus. Für Anfänger eignet sich ein Korpus aus fertig zugeschnittenen Platten, verbunden mit Schrauben oder Holzdübeln und Leim, weil dabei keine Holzverbindungen von Hand gestemmt werden müssen. Den Zuschnitt erledigen viele Baumärkte und Holzhändler nach Ihrer Liste. Eine fertige PDF-Anleitung brauchen Sie dafür nicht: Der Rechner weiter unten erstellt die Zuschnittliste für Ihre eigenen Maße, die Sie ausdrucken und zum Zuschnitt mitnehmen können. Das gilt ebenso für den Kasten, wie der Schrank in Österreich und Süddeutschland heißt.
Zuschnittrechner für den Schrankkorpus
Geben Sie Außenmaße, Plattenstärke und die Zahl der Fachböden ein. Der Rechner erstellt daraus die Zuschnittliste für einen Korpus mit durchgehenden Seiten und aufgesetzter Rückwand, auf Wunsch mit einer oder zwei Türen. Er rechnet außerdem die Länge der Sichtkanten aus, die bei Spanplatte oder MDF mit einem Kantenumleimer verschlossen werden.
Rechner · Zuschnittliste für den Schrankkorpus
Bauweise wie in der Anleitung: Seiten stehen über die volle Höhe durch, Boden und Deckel liegen dazwischen, die Rückwand ist hinten aufgesetzt. Türen sind als aufliegende Türen gerechnet, die den Korpus bis auf die Fuge abdecken. Die Rechnung läuft in Ihrem Browser, es werden keine Daten übertragen.
Für einen kleinen Schrank oder ein Schränkchen genügt oft eine Tür und ein Fachboden. Für einen Hochschrank oder einen Aktenschrank sind die Fachbodenabstände die eigentliche Planungsgröße: Messen Sie die Höhe der Ordner oder Kisten, die hinein sollen, und legen Sie danach die Zahl der Böden fest, nicht umgekehrt.
Wie ist ein Schrankkorpus aufgebaut?
Der Korpus ist der tragende Kasten eines Schranks, also alles außer Türen und Einlegeböden. Er muss zwei Dinge leisten: das Gewicht des Inhalts über die Seitenwände in den Boden ableiten und sich unter Last nicht zu einem Parallelogramm verschieben. Diese Verformung heißt im Möbelbau Verschieben oder Verziehen des Korpus und zeigt sich daran, dass Türen plötzlich schleifen oder nicht mehr schließen.
Bei der Bauweise, mit der dieser Ratgeber und der Rechner arbeiten, stehen die Seitenwände über die volle Höhe durch. Boden und Deckel liegen zwischen den Seiten und sind von außen durch die Seitenwand verschraubt oder verdübelt. Die Lasten der Fachböden gehen so über Auflageleisten oder Bodenträger in die Seiten und von dort in den Boden und die Füße. Die Rückwand wird hinten auf den Korpus aufgesetzt und rundum befestigt. Sie ist das Bauteil, das den Kasten aussteift, also gegen das Verschieben sichert. Ein Korpus ohne fest verbundene Rückwand bleibt wackelig, auch wenn die Eckverbindungen sauber sind.
Für die Eckverbindungen gibt es drei verbreitete Wege, die sich in Aufwand und Sichtbarkeit unterscheiden:
- Schrauben: am einfachsten, die Schraubenköpfe bleiben an der Außenseite sichtbar, es sei denn, sie werden versenkt und verspachtelt oder durch eine Abdeckkappe verdeckt. In Spanplatte und MDF stets vorbohren, sonst platzt die Kante auf.
- Holzdübel mit Leim: unsichtbare Verbindung, verlangt aber passgenau gebohrte Löcher auf beiden Seiten. Eine Dübellehre oder eine Bohrmaschine mit Tiefenanschlag hilft dabei.
- Metallwinkel oder Korpusverbinder: von innen gesetzt, schnell und wieder lösbar, im Innenraum aber sichtbar.
Ob der Korpus rechtwinklig ist, prüfen Sie vor dem Aufsetzen der Rückwand mit dem Zollstock: Die beiden Diagonalen von Ecke zu Ecke müssen gleich lang sein. Erst dann wird die Rückwand befestigt, denn sie fixiert den Kasten in genau dem Zustand, in dem er in diesem Moment ist.
Welches Holz eignet sich für einen Schrank?
Für den Schrankbau werden fast immer Platten verwendet, keine einzelnen Bretter. Plattenwerkstoffe sind Holzwerkstoffe, die aus verleimten Holzlagen, Spänen oder Fasern bestehen und dadurch in großen Formaten eben bleiben. Die Wahl entscheidet über Oberfläche, Kantenbearbeitung und darüber, wie gut Schrauben halten.
| Plattenwerkstoff | Oberfläche | Kanten | Schraubenhalt | Eignung für den ersten Schrank |
|---|---|---|---|---|
| Leimholz (Fichte, Kiefer, Buche) | Massivholz, zum Ölen oder Lackieren | sichtbar, nur schleifen | gut, auch in der Kante | gut; arbeitet bei wechselnder Luftfeuchte und kann sich leicht verziehen |
| Spanplatte, beschichtet (Melamin) | fertig, keine Oberflächenbehandlung nötig | offen, brauchen Kantenumleimer | mäßig, in der Kante schwach | gut für Korpus und Böden, wenn vorgebohrt wird |
| MDF | sehr glatt, ideal zum Lackieren | dicht, saugen aber Lack stark | mäßig, Kante kann aufspalten | gut für Türen und lackierte Fronten |
| Multiplex, Sperrholz | Holzfurnier, zum Ölen oder Lackieren | Schichtkante, oft bewusst sichtbar | gut, auch in der Kante | sehr formstabil, aber teurer als Spanplatte |
Für die Rückwand genügt eine dünnere Platte, etwa eine Hartfaserplatte oder dünnes Sperrholz, solange sie rundum fest mit dem Korpus verbunden ist. Wer den Schrank naturbelassen und massiv möchte, greift zu Leimholz. Wer eine fertige, pflegeleichte Oberfläche ohne Lackieren sucht, nimmt beschichtete Spanplatte und lässt sie im Baumarkt zuschneiden.
Schranktüren selber bauen: aufliegend, einliegend oder Rollo
Die Tür ist das Bauteil, an dem man die Genauigkeit eines selbst gebauten Schranks am deutlichsten sieht. Vor dem Zuschnitt steht deshalb die Entscheidung, wie die Tür zum Korpus liegt:
- Aufliegende Tür: Sie deckt die Vorderkanten des Korpus ab und liegt davor. Kleine Ungenauigkeiten am Korpus fallen kaum auf. Diese Variante ist für Anfänger die richtige, und mit ihr rechnet auch der Rechner.
- Einliegende Tür: Sie sitzt bündig im Korpus. Das wirkt hochwertig, verlangt aber einen exakt rechtwinkligen Korpus und eine rundum gleichmäßige Fuge.
- Rollo oder Vorhang statt Tür: Bei breiten Kleiderschränken oft die einfachste Lösung. Ein Stoff- oder Bambusrollo hängt an Schraubhaken in einem überstehenden Deckel. Es braucht keine Scharniere und verzeiht schiefe Maße.
Als Material für Schranktüren eignen sich MDF zum Lackieren, beschichtete Spanplatte oder Leimholz. Bei Leimholz neigen große, schmale Türen eher zum Verziehen als Holzwerkstoffe. Befestigt werden Möbeltüren meist mit Topfscharnieren. Das sind Scharniere, deren Gehäuse in eine runde Bohrung auf der Türinnenseite eingesetzt wird, bei den gängigen Modellen mit 35 mm Durchmesser. Sie werden mit einem Forstnerbohrer gebohrt, und über die Stellschrauben am Scharnier lässt sich die Tür nachträglich in Höhe, Seite und Tiefe ausrichten. Topfscharniere gibt es passend für aufliegende, halb aufliegende und einliegende Türen, die Bauart muss also zur gewählten Türlage passen.
Kleiderschrank selber bauen: Tiefe, Kleiderstange und Aufteilung
Ein Kleiderschrank folgt demselben Korpusprinzip, hat aber zwei eigene Planungsgrößen: die Tiefe und die Kleiderstange.
Tiefe: Kleiderbügel sind etwa 42 bis 45 cm breit. Damit sie quer hängen können, ohne an Rückwand und Tür zu streifen, braucht der Kleiderschrank innen gut 55 cm Tiefe. Ein Schrank mit 30 oder 45 cm Tiefe taugt für Fächer, nicht für quer hängende Bügel. Ist der Platz zu knapp, hilft eine ausziehbare Kleiderstange, an der die Bügel längs zur Tiefe hängen.
Kleiderstange: Sie liegt in zwei Stangenhaltern, auch Rohrlager genannt, die an Seitenwand und Mittelwand oder unter einen Fachboden geschraubt werden. Lange Stangen biegen sich unter dem Gewicht der Kleidung durch und sollten in der Mitte zusätzlich abgehängt werden. Die Höhe unter der Stange richtet sich nach dem längsten Kleidungsstück, das dort hängen soll: Mäntel und Kleider brauchen deutlich mehr Höhe als Hemden und Jacken.
Aufteilung: Bewährt hat sich ein breiter Korpus mit einer Mittelwand. Ein Beispiel: Ein Schrank mit 144 cm Außenbreite aus 2 cm starken Platten hat nach Abzug von zwei Seitenwänden und einer Mittelwand 138 cm Innenbreite. Teilt die Mittelwand diese in 60 und 78 cm, entsteht links ein Fach für Einlegeböden und rechts ein Kleiderfach mit Hutboden und Kleiderstange darunter.

Für einen Einbaukleiderschrank in einer Nische oder unter der Dachschräge gelten andere Regeln, weil Wand, Boden und Decke Teil der Konstruktion werden. Das beschreibt der Ratgeber Einbauschrank selber bauen.
Ist es günstiger, einen Schrank zu bauen oder zu kaufen?
Für einen Schrank in gängigen Standardmaßen ist ein Möbel aus dem Flachpaket häufig günstiger als der Selbstbau, weil Möbelhersteller Platten und Beschläge in großen Mengen einkaufen. Der Selbstbau rechnet sich vor allem in drei Fällen: wenn ein Sondermaß gebraucht wird, das es nicht zu kaufen gibt, wenn der Schrank aus Massivholz oder Multiplex sein soll, wo Kaufmöbel deutlich teurer werden, und wenn vorhandene Platten oder Reststücke verbaut werden können.
Bei der Kalkulation werden gern Posten vergessen. Neben den Platten kommen der Zuschnitt, Kantenumleimer für Spanplatte und MDF, Scharniere, Griffe, Schrauben, Leim, Bodenträger und das Material für die Oberfläche hinzu. Fehlt Werkzeug wie Akkuschrauber, Forstnerbohrer oder Schleifgerät, gehört auch das in die Rechnung. Die Zuschnittliste aus dem Rechner liefert Plattenfläche und Kantenlänge als Grundlage, um bei Baumarkt oder Holzhändler einen Preis anzufragen.
Schrank selber bauen – die benötigten Materialien
Die folgende Liste gilt für einen schlichten, 1,60 m hohen Schrank mit einer Tür und drei Fachböden aus 18 mm starken Platten. Die Korpusmaße betragen 1530 × 450 × 300 mm (Höhe × Breite × Tiefe). Geben Sie diese Werte mit einer Tür und 3 mm Fuge in den Rechner ein, erhalten Sie dieselben Zuschnittmaße.
- 2 Seitenwände, 1530 × 300 mm
- Boden und Deckel, je 414 × 300 mm
- 3 Fachböden, je 412 × 300 mm
- 1 Rückwand, 1530 × 450 mm, als dünnere Platte
- 1 Tür, 1524 × 444 mm
- 6 Holzleisten als Auflagen für die Fachböden, 250 × 15 × 15 mm
- 4 Kanthölzer als Füße, 70 × 50 × 50 mm
- Holzdübel und Holzleim oder Spanplattenschrauben
- 3 Topfscharniere für aufliegende Türen
- 1 Türgriff
- Kippschutz (Winkel oder Gurt) mit passenden Dübeln für die Wand
- Akkuschrauber, Bohrmaschine mit Tiefenanschlag, Forstnerbohrer
- Holzlack oder Holzöl bei Leimholz oder MDF
Schrank selber bauen – so wird’s gemacht
1. Den Schrankkorpus bauen
Boden und Deckel werden zwischen die beiden Seitenwände gesetzt, sodass sie oben und unten bündig abschließen. Bei der Dübelverbindung werden in die Stirnkanten von Boden und Deckel und passgenau in die Innenseiten der Seitenwände Löcher gebohrt, mit Leim gefüllt und die Dübel eingeschlagen. Wer die Verbindung lieber verschraubt, bohrt von außen durch die Seitenwand vor und schraubt in die Kanten von Boden und Deckel. Anschließend werden die Diagonalen gemessen und, wenn sie gleich lang sind, die Rückwand hinten aufgesetzt und rundum verschraubt oder genagelt.
2. Die Füße und die Böden montieren
Die vier Kanthölzer werden als Füße unter den Boden geleimt und von innen verschraubt. Für die Fachböden werden auf beiden Innenseiten je drei Leisten angeschraubt, links und rechts exakt auf gleicher Höhe, sonst liegen die Böden schief. Statt Leisten lassen sich auch Bodenträger in eine Lochreihe stecken. Dafür wird eine Reihe von Bohrungen in gleichmäßigem Abstand in beide Seitenwände gebohrt, was die Fachböden später verstellbar macht.

3. Die Schranktür anbringen und den Schrank sichern
Die Topfbohrungen für die Scharniere werden mit dem Forstnerbohrer auf der Türinnenseite gebohrt, das Gegenstück, die Montageplatte, wird an die Seitenwand geschraubt. Über die Stellschrauben richten Sie die Tür so aus, dass die Fuge rundum gleich breit ist, danach wird der Griff montiert. Lack oder Öl kommen vor der Montage der Beschläge auf die Teile. Weil der Schrank 1,60 m hoch, aber nur rund 30 cm tief ist, kippt er beim Öffnen der Tür oder beim Hineingreifen leicht nach vorn. Er wird deshalb mit einem Kippschutz an der Wand befestigt, bevor er eingeräumt wird. Welcher Dübel in welche Wand gehört, erklärt der Ratgeber Dübel sicher in der Wand befestigen, das saubere Vorbohren in Holz der Ratgeber Löcher in Holz bohren.