Rund 26 Zentimeter muss die Wandseite eines drei Meter tiefen Terrassendachs höher liegen als seine Vorderkante, wenn es mit Stegplatten gedeckt wird, denn deren Hersteller verlangen meist mindestens 5 Grad Neigung. An dieser Zahl zeigt sich, worum es beim Terrassendach selber bauen eigentlich geht: Eindeckung und Neigung bestimmen die Holzquerschnitte und werden vor dem ersten Schnitt festgelegt. Wer die Eindeckung wählt, legt damit die Mindestneigung fest, daraus ergeben sich die Höhen an Wand und Pfosten, und erst danach lassen sich Sparrenabstand, Balken und Fundamente bemessen. Die Ausführung selbst ist bei einem Pultdach aus Holz überschaubar, die Planungsfehler entstehen davor.
Was gehört zur Konstruktion eines Terrassendachs?
Ein Terrassendach am Haus ist fast immer ein Pultdach, also eine einzige, geneigte Dachfläche, die von der Hauswand nach vorn abfällt. In Bauplänen tauchen dafür immer dieselben Bauteile auf:
- Wandpfette: ein waagerechter Balken, der an der Hauswand verankert ist und die Sparren an der hohen Seite trägt.
- Pfosten: senkrechte Stützen an der Vorderseite, die die Last in die Fundamente abtragen.
- Pfette: der waagerechte Balken auf den Pfosten, auf dem die Sparren vorn aufliegen. Die Stelle, an der ein Bauteil auf einem anderen aufliegt, heißt Auflager.
- Sparren: die geneigten Balken von der Wandpfette zur Pfette, auf denen die Eindeckung befestigt wird.
- Kopfbänder: kurze, schräge Streben zwischen Pfosten und Pfette, die das Dach gegen seitliches Kippen aussteifen.
- Eindeckung: die eigentliche Dachhaut, etwa Stegplatten, Blech oder eine Schalung mit Bitumenbahnen.
Unter Lastabtragung versteht man den Weg, den Schnee- und Windlasten samt Eigengewicht durch die Konstruktion nehmen: über die Eindeckung in die Sparren, von dort etwa zur Hälfte in die Hauswand und zur anderen Hälfte über Pfette und Pfosten in den Boden.

Anlehnen oder freistehend: welche Bauweise passt?
Bevor über Holz oder Platten entschieden wird, steht die Frage, woran das Dach hängt. Die drei Bauweisen unterscheiden sich vor allem darin, wohin die Lasten gehen.
| Bauweise | Tragwerk | Lasten gehen in | Passt, wenn | Worauf achten |
|---|---|---|---|---|
| Anlehndach an der Hauswand | Wandpfette, eine Pfostenreihe vorn | Hauswand und Punktfundamente | tragfähiges Mauerwerk vorhanden, Terrasse liegt am Haus | Dübeltyp und Fassade, Anschluss gegen Schlagregen |
| Freistehende Überdachung | zwei Pfostenreihen, zwei Pfetten | nur Fundamente | Fassade gedämmt oder Sitzplatz im Garten | Aussteifung in beide Richtungen, doppelte Zahl an Fundamenten |
| Überdachung mit Plane oder Markisenstoff | Pfosten mit Seilen oder Rohren, gespanntes Tuch | Pfosten und Bodenhülsen, hohe Zugkräfte bei Wind | Schatten und Schutz vor kurzem Regen genügen | bei Sturm und im Winter abnehmen, keine Schneelast |
Ein Anlehndach braucht weniger Material, verlagert aber die halbe Dachlast in die Wand. Bei Mauerwerk geschieht das mit bauaufsichtlich zugelassenen Schwerlast- oder Injektionsankern. Bei einem Wärmedämmverbundsystem, also einer Fassade mit aufgeklebter Dämmung und Putz, halten normale Dübel nicht: Dort sind spezielle Montageelemente nötig, die durch die Dämmung hindurch im Mauerwerk tragen. Ist unklar, ob die Wand die Last aufnimmt, ist die freistehende Bauweise die sichere Variante.
Eine Überdachung mit Plane ist die einfachste Form und lässt sich abbauen. Das Tuch wird an vier Pfosten gespannt, wobei zwei Pfosten länger sind als die anderen beiden, damit Regen abläuft. Ohne dieses Gefälle bildet sich in der Mitte ein Wassersack, dessen Gewicht die Pfosten nach innen zieht. Als Dach im eigentlichen Sinn taugt diese Lösung nicht: Schnee und Sturm verträgt sie nur, wenn das Tuch rechtzeitig abgenommen wird.
Welche Eindeckung eignet sich für ein Terrassendach?
Die Eindeckung bestimmt mehr als das Aussehen. Sie legt die Mindestneigung fest, das Gewicht auf den Sparren und damit deren Abstand. Die folgende Übersicht stellt die gängigen Varianten nebeneinander.
| Eindeckung | Licht | Neigung | Unterkonstruktion | Stärken und Schwächen |
|---|---|---|---|---|
| Stegplatten aus Polycarbonat | lichtdurchlässig, je nach Tönung | meist mindestens 5 Grad, Herstellerangabe maßgeblich | Sparren mit Profilsystem, Abstand nach Plattenbreite | leicht und hagelfest, kann je nach Qualität vergilben, Regen ist hörbar |
| Massivplatten aus Acrylglas | klar, kaum Lichtverlust | nach Herstellerangabe | wie Stegplatten, engere Auflager bei dünnen Platten | vergilbt kaum, ist aber spröder als Polycarbonat und schlagempfindlicher |
| Glas | klar | nach System | tragfähige Sparren, oft Aluminium | als Überkopfverglasung in der Regel Verbundsicherheitsglas nach DIN 18008, schwer, für Eigenbau kaum geeignet |
| Trapezblech | keines | flach möglich, Herstellerangabe maßgeblich | Pfetten oder Latten quer zur Sickenrichtung | robust und leicht, laut bei Regen, Kondenswasser an der Unterseite |
| Schalung mit Bitumenbahnen | keines | flach möglich, Wasser muss sicher ablaufen | Bretter oder Platten vollflächig auf den Sparren | geschlossene, ruhige Dachfläche, schwerer, dunkel darunter |
| Dachziegel | keines | je nach Modell meist über 20 Grad | Lattung, kräftige Sparren | schwer, braucht viel Höhe an der Wand, bei Terrassendächern selten sinnvoll |
Für ein Terrassendach direkt vor Wohnräumen ist eine lichtdurchlässige Eindeckung fast immer die bessere Wahl, weil jede geschlossene Dachfläche die dahinterliegenden Räume merklich abdunkelt. Ganz ohne Schatten bleibt auch ein transparentes Dach nicht, denn Sparren und Profile werfen ihn ebenfalls.
Terrassenüberdachung aus Kunststoff: Polycarbonat oder Acrylglas?
Kunststoffplatten sind die häufigste Eindeckung bei selbst gebauten Terrassenüberdachungen. Acrylglas wird im Handel oft nach dem Markennamen Plexiglas benannt, Polycarbonat nach Markennamen wie Makrolon. Stegplatten haben im Querschnitt zwei oder mehr Lagen, die durch Stege verbunden sind. Das macht sie steif bei geringem Gewicht. Beide Kunststoffe dehnen sich bei Wärme deutlich stärker aus als Holz. Die Platten werden deshalb mit Spiel in die Profile gelegt, und Schraubenlöcher werden größer gebohrt als der Schraubenschaft. Wird eine Platte starr verschraubt, reißt sie im ersten Sommer an den Bohrungen.
Die offenen Stirnseiten von Stegplatten werden oben mit einem dichten Klebeband und unten mit einem luftdurchlässigen Filterband verschlossen. So kann Kondenswasser aus den Kammern ablaufen, ohne dass Schmutz und Insekten eindringen. Die Rippen der Stegplatten verlaufen immer in Gefällerichtung, also von der Wand zur Vorderkante.

Wie viel Neigung braucht das Terrassendach?
Die Neigung entscheidet darüber, ob Wasser und Laub ablaufen und ob Schnee rutscht oder liegen bleibt. Sie wird in Grad oder in Prozent angegeben. 10 Prozent bedeuten 10 Zentimeter Höhenunterschied je Meter Dachtiefe, das entspricht knapp 6 Grad. Für 5 Grad sind es rund 9 Zentimeter je Meter.
Weil die Höhe an der Hauswand begrenzt ist, durch Fenster, Rollladenkästen oder den Dachüberstand des Hauses, rechnet man meist von dort aus rückwärts: Die Wandpfette sitzt so hoch wie möglich, und die Pfostenhöhe vorn ergibt sich aus Tiefe und Mindestneigung. Daraus folgt, ob man vorn noch aufrecht unter der Pfette hindurchgehen kann. Wird es zu niedrig, hilft nur eine geringere Tiefe oder eine Eindeckung, die flacher verlegt werden darf.
Der Rechner ermittelt aus Breite, Tiefe und den beiden Höhen die Neigung, die Sparrenlänge, die Anzahl der Sparren und die Dachfläche für die Bestellung der Eindeckung:
Rechner · Dachneigung, Sparren und Dachfläche des Terrassendachs
Das Dach fällt von der Hauswand nach vorn ab. Die Sparren werden gleichmäßig über die Breite einschließlich Überstand verteilt. Zulässiger Sparrenabstand und Querschnitt hängen von Eindeckung und Schneelast ab, die Angaben des Plattenherstellers gehen vor. Terrassendächer sind je nach Bundesland und Größe genehmigungspflichtig. Die Rechnung läuft in Ihrem Browser, es werden keine Daten übertragen.
Wie groß sollte der Dachüberstand sein?
Als Dachüberstand bezeichnet man den Teil der Dachfläche, der über Pfette und äußere Pfosten hinausragt. Er hält Schlagregen vom Holz fern und ist damit der einfachste konstruktive Holzschutz. Ein Überstand von etwa 10 Zentimetern vorn und seitlich ist bei Terrassendächern verbreitet. Bei Kunststoffplatten begrenzt der Hersteller, wie weit die Platte frei über das letzte Auflager hinausragen darf.
Welches Holz für die Terrassenüberdachung?
Für Pfosten, Pfetten und Sparren eignet sich Konstruktionsvollholz (KVH), ein technisch getrocknetes, nach Festigkeit sortiertes Nadelholz, oder Brettschichtholz (BSH), das aus verleimten Lamellen besteht und sich bei großen Spannweiten weniger verzieht. Beide sind maßhaltiger als frisches Bauholz aus dem Sägewerk, das beim Trocknen am Bau reißt und sich verdreht. Üblich sind Fichte, Douglasie und Lärche, wobei Douglasie und Lärche von Natur aus witterungsbeständiger sind als Fichte.
Entscheidender als die Holzart ist der konstruktive Holzschutz nach DIN 68800, also eine Bauweise, bei der Holz schnell abtrocknen kann:
- Pfosten stehen in Pfostenträgern mit Abstand zum Boden, nie direkt im Beton oder in der Erde.
- Hirnholz, die Schnittfläche quer zur Faser, wird oben abgedeckt oder angeschrägt, damit kein Wasser steht.
- Der Dachüberstand schützt Pfette und Pfostenköpfe vor Schlagregen.
Die Querschnitte im Bauplan weiter unten sind übliche Größen für ein Dach dieser Abmessung. Sie ersetzen keinen statischen Nachweis. Wie viel Schnee ein Dach tragen muss, hängt von der Schneelastzone und der Höhe des Standorts ab, die in DIN EN 1991-1-3 mit dem deutschen Nationalen Anhang festgelegt sind. In schneereichen Lagen werden die Balken deutlich stärker oder die Abstände enger.
Bauplan und Materialliste für ein Terrassendach 4 × 3 Meter
Das Beispiel beschreibt ein Anlehndach aus Holz mit 400 cm Breite und 300 cm Tiefe. Die Wandpfette sitzt auf 300 cm Höhe, die Oberkante der vorderen Pfette auf rund 270 cm. Das ergibt etwa 10 Prozent oder knapp 6 Grad Neigung und reicht für Stegplatten, Trapezblech oder eine Schalung mit Bitumenbahnen, nicht aber für Dachziegel.
- 3 Pfosten, 12 × 12 cm, 250 cm lang
- 2 Pfetten (Wandpfette und vordere Pfette), 20 × 12 cm, 400 cm lang
- 6 Sparren, 16 × 8 cm, 360 cm lang
- 4 Kopfbänder, 12 × 12 cm, 75 cm lang
- 3 Pfostenträger (H-Anker) und Beton für die Punktfundamente
- zugelassene Anker für die Wandpfette, passend zum Mauerwerk
- Balkenschuhe oder Sparrenpfettenanker, Bolzen und Holzbauschrauben
- Eindeckung mit Profilsystem nach Hersteller, Fläche aus dem Rechner
Bei anderen Maßen lässt sich die Liste anpassen. Wird das Dach breiter, kommen weitere Pfosten hinzu, damit die Pfette nicht weiter spannt als im Beispiel mit rund zwei Metern Pfostenabstand. Wird es tiefer, wachsen die Sparren auch im Querschnitt, nicht allein in der Länge. Einen fertigen Plan zum Ausdrucken braucht es für ein Pultdach dieser Art nicht, wohl aber eine maßstäbliche Skizze mit Höhen, Neigung und Pfostenabständen, die man vor dem Holzkauf einmal durchrechnet.
Wie wird das Terrassendach gegründet und an der Wand befestigt?
Die Pfosten eines festen Daches stehen auf Punktfundamenten aus Beton, die bis in frostfreie Tiefe reichen. Je nach Region liegt diese Tiefe meist bei 80 Zentimetern oder mehr. Ein flacheres Fundament hebt der gefrierende Boden im Winter an, und das Dach verzieht sich. Einschlaghülsen, wie sie bei Zäunen üblich sind, reichen für ein festes Dach nicht. Steht die Terrasse auf einer betonierten Fläche, können die Pfostenträger dort nur dann aufgedübelt werden, wenn die Platte dick genug und bewehrt ist.
Die Wandpfette wird mit Ankern im tragenden Mauerwerk befestigt, nicht im Putz oder in einer Verblendschale. Oberhalb des Anschlusses sorgt ein Wandanschlussprofil dafür, dass an der Fassade herablaufendes Wasser nicht zwischen Dach und Wand gelangt. Wer die Beton- und Fundamentarbeiten vertiefen möchte, findet Hinweise im Ratgeber Beton für die Terrasse.
Braucht ein Terrassendach eine Baugenehmigung?
Ob ein Terrassendach genehmigungspflichtig ist, regelt die Landesbauordnung des jeweiligen Bundeslandes. Viele Länder stellen Terrassenüberdachungen bis zu einer bestimmten Größe verfahrensfrei, die Grenzen unterscheiden sich aber. Auch ein genehmigungsfreies Dach muss den Bebauungsplan und die Abstandsflächen zum Nachbargrundstück einhalten. Bei Reihen- und Doppelhäusern sowie bei Eigentumswohnungen kommen Grenzbebauung und die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft hinzu. Eine kurze Anfrage bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde vor dem Holzkauf klärt das verbindlich.
Wie lässt sich eine Terrassenüberdachung günstig selber bauen?
Gespart wird beim Terrassendach am ehesten an der Arbeitszeit, nicht am Material. Bei Fundamenten und Ankern rächt sich jede Einsparung später, ebenso bei zu knappen Balkenquerschnitten. Spielraum gibt es bei der Eindeckung und bei der Bauweise:
- Ein Anlehndach braucht eine Pfostenreihe weniger als eine freistehende Überdachung.
- Eine Dachbreite, die zum Rastermaß der Platten passt, vermeidet Verschnitt.
- Standardlängen beim Holz sparen Zuschnitt und Abfall.
- Ein Bausatz mit fertig abgestimmtem Profilsystem kostet mehr als Einzelteile, nimmt aber die Abstimmung von Sparrenabstand und Platten ab.
Für eine kleine, einfache Überdachung, etwa über einem Grillplatz, einer Kellertreppe oder als Balkondach, gelten dieselben Regeln in kleinerem Maßstab. Für Abdächer über dem Hauseingang gibt es einen eigenen Ratgeber zum Vordach selber bauen.
Ausführung in Kürze
Steht die Planung, folgt der Bau einer festen Reihenfolge:
- Pfostenstandorte einmessen, Punktfundamente ausheben, Pfostenträger einbetonieren und genau fluchten.
- Wandpfette in der geplanten Höhe waagerecht im Mauerwerk verankern.
- Pfosten in die Pfostenträger stellen, lotrecht ausrichten und verbolzen.
- Vordere Pfette mit Winkeln auf die Pfosten setzen, Kopfbänder an Pfosten und Pfette anpassen, zuschneiden und befestigen.
- Sparren an einem Probestück anreißen, damit sie an der Wand bündig anliegen, dann alle Sparren zuschneiden und im gleichmäßigen Abstand auf Wandpfette und Pfette befestigen.
- Eindeckung mit Wandanschluss, Profilen und Abschlussleiste nach der Anleitung des Herstellers verlegen, Regenrinne vorn anbringen.
Wird das Dach mit Bitumenbahnen auf einer Schalung gedeckt, beschreibt der Ratgeber Dachpappe verlegen die Verlegung im Einzelnen. Welche anderen Dachformen es neben dem Pultdach gibt, zeigt die Übersicht Dacharten.