Wer am Ende keinen fingerbreiten Streifen an der auffälligsten Wand haben will, entscheidet vor der ersten Fliese über den Startpunkt. Verlegt wird deshalb nicht aus der Ecke heraus, sondern von den eingemessenen Mittelachsen des Raumes aus. Vorher wird der Boden trocken ausgelegt: Erst dann zeigt sich, wie breit die Randreihen werden und ob die Achse um eine halbe Fliese zu versetzen ist. Der zweite Punkt, an dem sich sauberes von unsauberem Arbeiten trennt, kommt am Schluss – das Verfugen entscheidet über das Bild der ganzen Fläche.
Wo Sie anfangen und warum nicht in der Ecke
Räume sind selten rechtwinklig. Wer in einer Ecke beginnt und sich durcharbeitet, schiebt jede Abweichung vor sich her, bis sie an der gegenüberliegenden Wand als keilförmige Fuge sichtbar wird. Die Einmessung dreht das um: Beide Mittelachsen werden angerissen, die Fläche wird von der Mitte nach außen aufgebaut, und die Ungenauigkeit verteilt sich gleichmäßig auf alle vier Ränder.
Die Trockenverlegung entlang beider Achsen dauert eine halbe Stunde und beantwortet drei Fragen auf einmal: wie breit die Randreihen werden, wo geschnitten werden muss und ob die Fliesengröße zum Raum passt. Bleibt an einer Seite weniger als ein halbes Fliesenmaß übrig, wird die Achse um eine halbe Fliese verschoben.
Die Verlegerichtung folgt in Wohnräumen meist dem Lichteinfall oder der längeren Raumachse, weil die Fugen dann weniger auffallen. In Durchgangsbereichen entscheidet die Laufrichtung. Über mehrere Räume hinweg lohnt es, die Fugen durchlaufen zu lassen – das verlangt allerdings, dass die Türschwellen in die Einmessung einbezogen werden.
Der Untergrund
Fliesen gleichen nichts aus. Ein Untergrund, der um mehrere Millimeter schwankt, erzeugt Hohllagen unter den Fliesen, und Hohllagen sind die Ursache, wenn später einzelne Platten brechen oder klingen. Geprüft wird mit einer langen Richtlatte über die gesamte Fläche und diagonal.
Der Untergrund muss außerdem fest, sauber und frei von Trennmitteln sein. Alte Klebereste, Farbschichten und loser Estrich kommen herunter. Saugende Untergründe bekommen eine Grundierung, damit der Kleber nicht zu schnell Wasser verliert; sehr dichte Untergründe brauchen eine Haftbrücke. Frischer Estrich muss trocken sein – hier entscheidet die Messung, nicht das Kalenderblatt.
Kleber, Zahnung, Andrücken
Der Kleber wird mit der Zahnkelle in eine Richtung aufgekämmt, nicht im Bogen. Die Zahnung richtet sich nach der Fliesengröße: je größer das Format, desto größer die Zahnung.
| Fliesenformat | übliche Zahnung | Hinweis |
|---|---|---|
| klein, bis etwa 10 x 10 cm | 4 bis 6 mm | dünne Bettung reicht |
| mittel, etwa 20 x 20 bis 30 x 30 cm | 8 mm | Standardfall im Wohnbereich |
| groß, ab etwa 40 x 40 cm | 10 mm und mehr | häufig kombiniertes Verfahren mit Kleber auch auf der Fliesenrückseite |
Maßgeblich bleibt die Angabe des Klebeherstellers auf dem Sack. Aufgetragen wird nur so viel Fläche, wie sich verarbeiten lässt, solange der Kleber offen ist: Bildet sich eine Haut, trägt die Fliese nicht mehr. Die Probe ist einfach – eine frisch gesetzte Fliese wieder abheben und die Rückseite ansehen. Ist sie nicht vollflächig benetzt, stimmt entweder die Zahnung nicht oder der Kleber stand zu lange.
Angedrückt wird mit einer leichten Schiebebewegung quer zu den Kleberrillen, damit diese zusammenfallen und keine Luftkanäle bleiben. Fugenkreuze halten den Abstand, ersetzen aber nicht den Blick auf die Flucht: Alle paar Reihen wird mit der Latte kontrolliert.
Schneiden und die Fuge am Rand
Gerade Schnitte übernimmt der Fliesenschneider, Ausschnitte um Rohre und Ecken die Lochzange oder der Winkelschleifer mit Diamantscheibe. Geschnitten wird immer so, dass die Schnittkante zur Wand zeigt und später unter der Sockelleiste oder hinter der Silikonfuge verschwindet.
An allen Wänden bleibt eine Randfuge. Sie wird nicht mit Fugenmörtel gefüllt, sondern elastisch geschlossen, denn der Belag arbeitet. Wird sie starr verfüllt, entsteht genau an dieser Stelle der Druck, der später Fliesen hochdrückt. Dasselbe gilt für die Anschlüsse an Türzargen und aufgehende Bauteile.
Verfugen
Verfugt wird erst, wenn der Kleber durchgehärtet ist, nicht wenn die Fläche begehbar ist. Die Fugen müssen dafür sauber und gleichmäßig tief sein; Kleberreste, die beim Verlegen hochgedrückt wurden, werden vorher herausgekratzt – im frischen Zustand mit dem Fugenkreuz, später mit einem schmalen Werkzeug.
Der Fugenmörtel wird diagonal zur Fuge eingearbeitet, damit das Gummibrett die Fuge füllt statt sie leerzuziehen. Nach dem Ansteifen wird mit dem feuchten, nicht nassen Schwammbrett abgewaschen, wieder diagonal und mit häufig ausgewaschenem Schwamm. Zu viel Wasser wäscht Bindemittel aus der Fuge und erzeugt die hellen, sandigen Stellen, die sich später nicht mehr korrigieren lassen.
Der Schleier, der nach dem Trocknen bleibt, wird trocken abpoliert. Erst wenn er sich so nicht löst, kommt ein Zementschleierentferner in Frage – und der nicht auf säureempfindlichen Belägen wie Marmor oder anderen Naturwerksteinen.
Wann der Boden begehbar ist
Dafür gibt es keine allgemeine Zahl, sondern eine Angabe auf dem Gebinde. Die Größenordnung liegt bei üblichen Dünnbettmörteln bei etwa einem Tag bis zur vorsichtigen Begehbarkeit; die volle Belastbarkeit und damit das Aufstellen schwerer Möbel kommt deutlich später. Schnellzementbasierte Produkte verkürzen das erheblich.
Verlängernd wirken niedrige Temperaturen, hohe Luftfeuchte und dichte Untergründe, weil der Kleber sein Wasser schlechter abgibt. Wer bei kühlem Wetter im Keller oder in einem unbeheizten Anbau arbeitet, rechnet mit deutlich mehr Zeit als auf dem Sack steht.
Im Bad sind zwei Dinge anders
Vor dem ersten Kleber kommt die Abdichtung. In Bereichen, die regelmäßig Spritzwasser abbekommen, und rund um bodengleiche Duschen wird der Untergrund mit einer Verbundabdichtung geschlossen, an Ecken und Anschlüssen mit eingelegten Dichtbändern. Fliesen und Fugen sind selbst nicht wasserdicht – die Dichtebene liegt darunter.
Der zweite Unterschied ist das Gefälle. Wo ein Bodenablauf sitzt, muss die Fläche darauf zulaufen. Das Gefälle wird nicht mit Kleber hergestellt, sondern liegt im Untergrund. Die Einmessung startet in diesem Fall nicht an der Raummitte, sondern am Ablauf, damit die Fugen um ihn herum symmetrisch laufen und keine spitzen Zuschnitte entstehen.