Ein Zentimeter je Meter – das ist die Zahl, an der eine Abwasserleitung im Haus steht oder fällt. Ein Prozent Gefälle gilt als üblicher Richtwert für liegende Sammel- und Grundleitungen; maßgeblich sind DIN EN 12056 und die örtlichen Vorgaben. Zu wenig Gefälle lässt Feststoffe liegen, zu viel lässt das Wasser vorauslaufen und die Feststoffe zurück – beides endet in derselben Verstopfung. Wichtiger als der genaue Wert ist, dass er über die ganze Strecke gleichmäßig gehalten wird. Bei Heizungsrohren zählt dagegen etwas völlig anderes: die Ausdehnung.
Gefälle: gleichmäßig statt im Mittel
Der häufigste Fehler ist nicht ein falscher Wert, sondern eine Leitung, die ihn im Durchschnitt einhält und dazwischen durchhängt. Jede Senke ist eine Stelle, an der Wasser stehen bleibt und Feststoffe sich absetzen. Deshalb wird die Leitung durchgehend unterstützt und nicht nur an den Enden aufgehängt.
| Leitungsart | üblicher Richtwert | worauf es ankommt |
|---|---|---|
| liegende Sammel- und Grundleitung | etwa ein Prozent, also 1 cm je Meter | durchgehend gleich, keine Senke |
| Anschlussleitung eines einzelnen Objekts | deutlich mehr, je nach Objekt und Nennweite | kurze Wege, möglichst wenige Richtungswechsel |
| Fallleitung | senkrecht | Belüftung über Dach, damit Geruchverschlüsse nicht leergesaugt werden |
Die Werte sind Richtgrößen für die Planung. Verbindlich sind die Norm, das Datenblatt des Rohrsystems und im Zweifel die Vorgabe des zuständigen Entsorgers – besonders dort, wo die Leitung das Grundstück verlässt.
HT oder KG: welches Rohr wohin gehört
Im Haus und im Erdreich kommen unterschiedliche Systeme zum Einsatz. Sie lassen sich nicht beliebig tauschen, auch wenn sich Teile davon verbinden lassen.
| System | Einsatzbereich | Erkennungsmerkmal |
|---|---|---|
| HT | innerhalb des Gebäudes, Anschluss- und Sammelleitungen | meist hellgrau, dünnere Wandung, für hohe Abwassertemperaturen ausgelegt |
| KG | im Erdreich außerhalb des Gebäudes | meist orangebraun, dickere Wandung, höhere Ringsteifigkeit |
| Guss oder schallgedämmte Systeme | Fallleitungen in Wohngebäuden | schwerer, deutlich leiser |
Gesteckt wird trocken mit Gleitmittel, nicht geklebt und nicht mit Fett. Das Rohr wird auf Maß gekürzt, entgratet und angefast, sonst schiebt die Schnittkante die Dichtung aus ihrem Sitz. Beim Stecken bleibt ein kleiner Dehnungsspalt – das Rohr wird also nicht bis zum Anschlag eingeschoben, sondern die Einstecktiefe wird angezeichnet und wieder ein Stück zurückgezogen.
Richtungswechsel und Reinigungsöffnungen
Ein 90-Grad-Wechsel in einer liegenden Leitung bremst den Abfluss und ist die häufigste Stelle für Ablagerungen. Deshalb wird er in zwei 45-Grad-Bögen aufgelöst, mit einem kurzen Stück dazwischen. Am Übergang von der senkrechten Fallleitung in die Waagerechte gilt dasselbe, dort wird zusätzlich ein Stück Beruhigungsstrecke vorgesehen.
Abzweige werden in Fließrichtung gesetzt, nie entgegen. Und jede längere Leitung braucht eine Reinigungsöffnung an erreichbarer Stelle – vor Richtungswechseln, am Fußpunkt der Fallleitung und dort, wo die Leitung das Gebäude verlässt. Eine später zugemauerte Reinigungsöffnung ist keine.
Schall
Eine Fallleitung an einer Wand, hinter der jemand schläft, wird gehört. Wirksam sind drei Dinge zusammen: ein schallgedämmtes Rohr, Schellen mit Gummieinlage und die körperschallgetrennte Befestigung, also kein starrer Kontakt zwischen Rohrschelle und Wandkonstruktion. Ein gedämmtes Rohr, das starr an eine Leichtbauwand geschraubt ist, gibt den Schall trotzdem weiter.
Heizungsrohre
Hier ist nicht das Gefälle die Leitgröße, sondern die Wärmedehnung. Kunststoff- und Verbundrohre werden im Betrieb länger. Wird die Leitung starr zwischen zwei Festpunkten eingespannt, drückt sie sich irgendwo durch oder knackt bei jedem Aufheizen. Gearbeitet wird deshalb mit Festpunkten und Gleitlagern, mit Dehnungsbögen bei langen Strecken und mit Dämmschläuchen, die zugleich als Dehnraum dienen.
Verbindungen werden gepresst oder geschraubt, je nach System und mit dem passenden Werkzeug. Eine Pressverbindung mit falscher Kontur hält beim Abdrücken und versagt Monate später. In Estrich und Wand kommen nur Leitungen ohne Verbindungsstellen; jede Kupplung, die später nicht erreichbar ist, ist ein Risiko ohne Gegenwert.
Vor dem Schließen von Estrich oder Vorwand wird die Anlage abgedrückt und das Ergebnis protokolliert. Ohne dieses Protokoll gibt es im Schadensfall keine Grundlage.
Im Erdreich
Die Grundleitung liegt im Sandbett, nicht auf gewachsenem Boden und nicht auf Schotter. Das Bett wird verdichtet, das Rohr auf ganzer Länge aufgelagert – nicht nur an den Muffen, sonst hängt es dazwischen durch. Verfüllt wird seitlich und oberhalb in Lagen, damit sich keine Hohlräume bilden.
Die Tiefe richtet sich nach der Frostgrenze am Ort und nach der Anschlusshöhe am Kanal. Kreuzt die Trasse eine befahrene Fläche, kommt eine Lastverteilung oder ein Schutzrohr dazu. Wo die Leitung das Grundstück verlässt, gelten die Vorgaben des Entsorgers, und in vielen Gemeinden ist die Grundleitung abnahmepflichtig.
Reinigungsöffnungen: wo sie hingehören
Sie kosten beim Einbau wenig und entscheiden später darüber, ob eine Verstopfung in einer halben Stunde behoben ist oder die Wand geöffnet werden muss.
- Am Fußpunkt jeder Fallleitung
- Vor größeren Richtungswechseln in liegenden Leitungen
- Dort, wo die Leitung das Gebäude verlässt
- In langen geraden Strecken in regelmäßigen Abständen
- Immer so, dass die Öffnung nach dem Innenausbau erreichbar bleibt
Was Sie selbst machen können
Graben ausheben, Bett herstellen, HT-Leitungen im Nichtwohnbereich stecken, Vorwandkonstruktionen vorbereiten und Dämmung anbringen – das sind Arbeiten, die sich gut selbst erledigen lassen. Die Planung der Nennweiten und der Belüftung gehört nicht dazu: Eine zu klein gewählte Leitung oder eine fehlende Belüftung zeigt sich erst im Betrieb, und dann ist die Wand zu.
Am Trinkwassernetz und am Anschluss an den öffentlichen Kanal endet der Eigenanteil ohnehin. Beides ist an eingetragene Fachbetriebe gebunden. Sinnvoll ist die Aufteilung, die sich auch sonst bewährt: Sie übernehmen die Vorbereitung, der Fachbetrieb die Bemessung, den Anschluss und die Abnahme.