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Kabel verlegen: auf Putz, unter Putz und an der Decke

Aufputz verlegte Kabel wirken nicht deshalb provisorisch, weil man sie sieht, sondern weil sie unruhig geführt werden. Wer parallel zu vorhandenen Kanten bleibt, Richtungswechsel auf 90 Grad beschränkt und die Kanalbreite einmal für den ganzen Raum festlegt, bekommt eine Linie, die nach zwei Tagen niemandem mehr auffällt. Die eigentliche Entscheidung fällt davor: Unter Putz heißt Schlitzen, Trocknungszeit und ein Eingriff in die Wand, der sich an den Installationszonen ausrichten muss. Auf Putz heißt kein Eingriff, dafür eine sichtbare Führung. Beide Wege sind zulässig. Der Anschluss ans Netz bleibt in beiden Fällen einer Elektrofachkraft vorbehalten.

Was Sie selbst machen dürfen und wo die Grenze liegt

Leerrohre setzen, Kabelkanäle montieren, Schlitze vorbereiten, Leitungen einziehen: Diese Arbeiten kann ein Heimwerker übernehmen. Das Auflegen auf Klemmen, der Anschluss an den Verteiler und die Abnahme gehören nicht dazu. Nach der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen Arbeiten an der festen Elektroinstallation nur von einem eingetragenen Elektroinstallationsbetrieb ausgeführt werden. Praktisch bedeutet das: Sie bereiten vor, die Fachkraft schließt an und prüft. Wer das umdreht, riskiert im Schadensfall den Versicherungsschutz.

Unabhängig davon gilt für jede Leitung, dass sie für den Einsatzort zugelassen sein muss. Eine Leitung für trockene Innenräume hat an der Außenwand nichts zu suchen, und im Erdreich liegt kein Kabel ohne entsprechende Bauart.

Auf Putz oder unter Putz: die Entscheidung vor dem ersten Kabel

Die Wahl hängt weniger vom Geschmack ab als von der Wand und davon, wie lange die Lösung halten soll.

Kriterium Auf Putz Unter Putz
Eingriff in die Wand keiner, nur Dübellöcher Schlitz, Füllung, Trocknung, Nacharbeit an der Oberfläche
Spätere Änderung Kanal öffnen, Leitung tauschen erneut aufstemmen
Mietwohnung in der Regel möglich, rückbaubar zustimmungspflichtig
Bild im Raum sichtbare Linie, steht und fällt mit der Führung unsichtbar
Denkmalschutz oder Fachwerk meist der gangbare Weg häufig ausgeschlossen
Aufwand an einem Nachmittag machbar nicht realistisch

In Altbauten mit weichem Putz oder tragenden Ziegelwänden entscheidet oft der Untergrund: Ein Schlitz in einer dünnen Zwischenwand kann statisch heikel werden, und in Fachwerk ist er tabu.

Aufputz sauber führen: vier Regeln für ein ruhiges Bild

Der Unterschied zwischen einer Notlösung und einer Installation, die man akzeptiert, liegt in vier Punkten.

  1. An Kanten entlang, nicht quer durch die Fläche. Sockelleiste, Türzarge, Deckenanschluss und Fensterlaibung geben die Wege vor. Eine Diagonale über eine freie Wand fällt immer auf.
  2. Eine Kanalbreite für den ganzen Raum. Lieber einen etwas zu großen Kanal durchgehend als drei verschiedene. Reserve für eine spätere Leitung kostet beim Kauf wenig und spart die zweite Montage.
  3. Richtungswechsel mit Formteilen. Innen- und Außenecken, T-Stücke und Endkappen gibt es zu jedem System. Der geschnittene Gehrungsschnitt von Hand ist die häufigste Stelle, an der es unsauber wird.
  4. Farbe der Wand, nicht des Kanals. Die meisten Kunststoffkanäle lassen sich mit Dispersionsfarbe überstreichen. Ein in Wandfarbe gestrichener Kanal auf einer hellen Wand verschwindet fast.

Für kurze Strecken hinter Möbeln oder in Werkstatt und Keller reicht ein einfacher Kanal. In Wohnräumen lohnt der Blick auf Sockelleistenkanäle: Sie ersetzen die vorhandene Leiste und nehmen die Leitung auf, ohne dass eine zweite Linie entsteht.

Kabel an der Decke

An der Decke gilt dieselbe Logik, nur fällt jede Abweichung stärker auf, weil die Fläche meist einfarbig und unverstellt ist. Die ruhigste Lösung führt die Leitung im Winkel zwischen Wand und Decke, nicht frei über die Fläche. Bei abgehängten Decken und Rigips liegt die Leitung ohnehin im Hohlraum; dort braucht sie eine Befestigung, damit sie nicht auf der Unterkonstruktion aufliegt und bei Erschütterung scheuert.

Führt der Weg quer durch den Raum, etwa zu einer neuen Leuchte in der Mitte, ist die Frage nicht, wie man das Kabel versteckt, sondern ob der Anschlusspunkt richtig sitzt. Eine Deckenleuchte zwei Meter neben dem vorhandenen Auslass verlangt entweder eine sichtbare Strecke oder eine geöffnete Decke. Wer das vorher klärt, spart die Diskussion hinterher.

Leitungen hinter Rigips und durch Wände ziehen

Im Ständerwerk einer Trockenbauwand sind Durchführungen in den Profilen bereits vorgestanzt. Diese Öffnungen haben umlaufend einen Rand, der die Leitung nicht beschädigt; ein selbst gebohrtes Loch im Blech hat ihn nicht und braucht eine Tülle. Gezogen wird mit einer Einziehfeder, nicht am Kabel selbst: Zugkraft auf die Adern ist die Ursache der meisten späteren Fehler, die man nicht sieht.

Bei einer Wanddurchführung in Mauerwerk wird gebohrt, bevor die Leitung liegt, und das Bohrloch bekommt ein Leerrohr. Dann lässt sich die Leitung später tauschen, ohne erneut zu bohren. Führt die Durchführung von innen nach außen, muss die Öffnung anschließend dicht sein, sonst wandert Feuchtigkeit in die Wand.

Installationszonen: wo Leitungen liegen dürfen

Unter Putz gilt keine freie Wegwahl. DIN 18015-3 legt Bänder fest, in denen Leitungen verlaufen. Der Sinn ist praktisch: Wer später ein Regal dübelt, muss wissen, wo kein Kabel liegt.

Wandschema mit den Installationszonen nach DIN 18015-3Tür oder Fensterwaagerecht oben: 15 bis 45 cm unter der Fertigdeckewaagerecht mitte: 100 bis 130 cm über dem Boden, nur über Arbeitsflächenwaagerecht unten: 15 bis 45 cm über dem Fertigfußbodensenkrecht: 10 bis 30 cm neben Kanten
Leitungen gehören in die blau und braun markierten Bänder. Außerhalb davon muss niemand mit einem Kabel rechnen – und genau dort wird später gebohrt.
Zone Lage Wofür
waagerecht oben 15 bis 45 cm unter der Fertigdecke Zuleitungen zu Schaltern und Leuchten
waagerecht unten 15 bis 45 cm über dem Fertigfußboden Steckdosenstromkreise
waagerecht mitte 100 bis 130 cm über dem Fertigfußboden nur in Räumen mit Arbeitsflächen, etwa in der Küche
senkrecht 10 bis 30 cm neben Tür- und Fensterkanten sowie Raumecken Verbindung zwischen den waagerechten Zonen

Maßgeblich ist der Wortlaut der Norm, nicht diese Übersicht. Sie hilft aber bei der Planung und beim späteren Bohren: Ein Leitungssucher ersetzt die Kenntnis der Zonen nicht, er bestätigt sie nur.

Erdkabel und Datenleitungen: was hier anders ist

Im Erdreich zählt die Verlegetiefe und der Schutz vor dem Spaten. Üblich sind ein Sandbett unter und über dem Kabel und ein Warnband darüber, damit ein späterer Aushub die Leitung findet, bevor er sie trifft. Kreuzt die Trasse einen Weg oder eine Einfahrt, kommt ein Schutzrohr dazu.

Datenleitungen vertragen anders als Stromleitungen keine engen Radien und keinen Zug. Sie laufen möglichst nicht über längere Strecken parallel und direkt neben einer stromführenden Leitung. Im selben Kabelkanal ist ein Trennsteg die einfachste Lösung.

Herausgeberin und inhaltlich verantwortlich
Selda Bekar — Impressum · Methodik · Korrekturhinweis