Bad sanieren ohne Fliesen: So geht’s

Aktualisiert am 30. Juli 2020 von Ömer Bekar

Infos zu Bad sanieren ohne Fliesen
Moderne Bäder verzichten immer häufiger auf Fliesen.

Ein älteres Badezimmer zu modernisieren, kann nicht nur mit recht hohen Kosten verbunden sein. Wenn die vorhandenen Fliesen an den Wänden und die Kacheln auf dem Boden abgeschlagen und ersetzt werden, entsteht zudem auch noch jede Menge Staub, Schutt und Lärm. Und es kann dauern, bis die Bauarbeiten abgeschlossen sind und das Bad wieder zur Verfügung steht. Doch so aufwändig muss es gar nicht sein. Denn es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Sie Ihr Bad sanieren können, ohne die alten Fliesen zu entfernen und neue zu verlegen. Wir stellen Ihnen interessante Alternativen vor.

Beim Waschen, Duschen und Baden entsteht Feuchtigkeit. Sie lässt sich nicht vermeiden, ist aber eigentlich auch kein Problem. Wichtig ist nur, dass das Wasser nicht in die Wände und den Boden eindringt. Denn wenn der Untergrund dauerhaft durchfeuchtet ist, kann sich Schimmel bilden und die Bausubstanz Schaden nehmen.

Bei der Gestaltung des Badezimmers sind Fliesen nach wie vor der klassische Wand- und Bodenbelag. Denn Fliesen gelten als pflegeleicht und haben sich in Feuchträumen bewährt. Andererseits gab es lange Zeit auch kaum Alternativen.

Doch inzwischen stehen verschiedene andere Baustoffe zur Auswahl. Und mit der richtigen Technik können Sie Ihr Bad schnell, einfach und kostengünstig sanieren, ohne Fliesen abklopfen zu müssen. Wir nennen Ihnen Möglichkeiten und Ideen!

Bad sanieren ohne Fliesen: Grundsätzliches vorab

Fliesen im Bad sind zwar Standard, aber nicht unbedingt notwendig. Wenn Sie Ihrem Badezimmer einen neuen Look verpassen wollen, können Sie auf eine Vielzahl von Baustoffen und Techniken zurückgreifen. Die Palette reicht von Putzen über Naturmaterialien wie Holz und Kork bis hin zu Beschichtungen. Richtig verarbeitet, schützen sie genauso zuverlässig vor Feuchtigkeit und Schimmel wie herkömmliche Fliesen.

Beim Renovieren ist es nicht zwangsläufig notwendig, die alten Fliesen zu entfernen. Fast alle Techniken können Sie auf den bestehenden Kacheln anwenden. Voraussetzung ist aber, dass der Fliesenspiegel noch stabil und intakt ist.

Sind nur ein paar Fliesen lose, ist das nicht weiter schlimm. Denn es gibt spezielle Kleber, mit denen Sie die Fliesen unterfüttern können. Der Kleber füllt die Hohlräume auf und die losen Fliesen sind wieder fest. Weist der Fliesenspiegel hingegen starke Beschädigungen auf, werden Sie die maroden Fliesen meist abschlagen müssen.

Sind die Wände im Bad feucht oder schimmelig, müssen sie zunächst trockengelegt werden. Unter Umständen wird es auch erforderlich sein, die Wände zu sanieren, bevor Sie mit der Neugestaltung beginnen können. Holen Sie sich in solchen Fällen am besten Rat von einem Fachmann ein. Er kann den Untergrund begutachten und Ihnen sagen, welche Maßnahmen möglich und notwendig sind.

Wenn Sie Ihr Bad sanieren, ohne Fliesen abzutragen, sollten Sie bedenken, dass der Raum dadurch etwas kleiner wird. Was die Fläche als solches angeht, fällt der Verlust zwar kaum ins Gewicht. Trotzdem wird sich der doppelte Belag bemerkbar machen. Das gilt vor allem für Badezimmer, die klein oder ungünstig geschnitten sind.

Ein weiterer Punkt betrifft Mieter. In einer Mietwohnung brauchen Sie für größere Umbauten die Zustimmung des Vermieters. Sprechen Sie sich deshalb mit ihm ab, bevor Sie loslegen. Vielleicht beteiligt er sich ja sogar an den Kosten. Oder wählen Sie eine Methode, die Sie beim Auszug wieder rückgängig machen können.

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Badsanierung ohne Fliesen: Möglichkeiten an der Wand

Lange Zeit war es fast schon selbstverständlich, die Wände im Badezimmer zu fliesen. Doch neue Materialien machen es möglich, das Bad in einem ganz anderen Design erstrahlen zu lassen.

Das Bad soll kein Raum mehr sein, der in erster Linie praktisch ist und in dem eben Dusche, Wanne, Waschbecken und Toilette untergebracht sind. Stattdessen soll das Bad zu einer ansprechenden Wohlfühl-Oase werden.

Andererseits muss es nicht immer gleich eine komplette Sanierung sein. Wenn Zeit und Budget begrenzt sind, können Sie auch mit weniger aufwändigen Maßnahmen viel erreichen. Wir zeigen Ihnen einige Möglichkeiten, wie Sie die Wände im Bad sanieren können, ohne die Fliesen mühsam zu entfernen.

Die alten Fliesen mit Folie bekleben

Langweilige oder hässliche Fliesen können Sie mit einer selbstklebenden Fliesenfolie abdecken. Die wasserfeste Folie gibt es bereits fertig zugeschnitten in allen gängigen Fliesenformaten. Wenn Sie nur kleine Akzente setzen wollen, zum Beispiel um schlichte weiße Fliesen aufzupeppen, können Sie auch zu Fliesenaufklebern in bunten Farben oder mit hübschen Motiven greifen.

Bevor Sie die Folie anbringen, sollten Sie die Fliesen gründlich reinigen. Anschließend geben Sie etwas Wasser in ein Gefäß, fügen einen Tropfen Spülmittel dazu und befeuchten damit den Untergrund. Wenn Sie dann das Trägerpapier abziehen, können Sie die Fliesenfolie in die richtige Position schieben und blasenfrei befestigen.

Der große Vorteil von Folie und Aufklebern ist, dass Sie diese ohne Rückstände wieder entfernen können, wenn Ihnen das Dekor nicht mehr gefällt oder Sie ausziehen. Allerdings müssen Sie jede Fliese einzeln bekleben. Deshalb eignet sich diese Variante hauptsächlich für kleinere Flächen.

Die Fliesen lackieren oder beschichten

Um Ihre Fliesen in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, kann eine spezielle Fliesenfarbe eine gute Lösung sein. Dabei müssen Sie die Fliesen zunächst sorgfältig reinigen, damit sie staub- und fettfrei sind.

Dann tragen Sie zuerst eine Grundierung und danach eine Schicht Fliesenlack auf. Arbeiten Sie sich am besten Stück für Stück an der Wand vor. Beginnen Sie mit den Fugen und verwenden Sie für die Fliesen dazwischen eine Schaumstoffrolle. Wenn der Lack mindestens einen halben Tag lang getrocknet ist, lackieren Sie die Fliesen ein zweites Mal.

Durch den Lack bleibt die Struktur der Fliesen und der Fugen erhalten. Nur erscheint die Oberfläche in einer neuen Farbe. Befinden sich die Fliesen in einem Nassbereich wie zum Beispiel der Dusche, sollten Sie die frisch lackierten Fliesen zum Schluss versiegeln. Die Versiegelung braucht allerdings etwa eine Woche, um auszuhärten.

Eine Alternative zu Fliesenlack ist eine spezielle Beschichtung. Sie besteht in aller Regel aus einem flüssigen Kunststoff. Die Verarbeitung ähnelt dem Fliesenlack.

Die alten Fliesen zu lackieren oder zu beschichten, ist eine recht kostengünstige Möglichkeit, um dem Bad eine neue Optik zu verleihen. Allerdings ist es kaum möglich, die Farbe wieder zu entfernen. Bevor Sie zu Pinsel und Rolle greifen, sollten Sie deshalb mit Ihrem Vermieter klären, ob er mit der Umgestaltung einverstanden ist.

Die Wände verkleiden

Wünschen Sie sich ein Bad ohne Fliesen, können Sie den alten Wandbelag kurzerhand hinter einer Verkleidung verschwinden lassen. Und hier stehen verschiedene Baustoffe zur Auswahl.

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Eine Möglichkeit sind Paneele aus Spezialkunststoff. Sie sind wasserfest, lichtecht und werden mit Silikon direkt an die Wand geklebt. Lassen Sie die Platten auf Maß anfertigen, können Sie damit auch verwinkelte Räume problemlos verkleiden.

Sind Ihnen natürliche Materialien lieber, kann eine klassische Holzvertäfelung die richtige Lösung sein. Inzwischen gibt es verschiedene Hölzer, die speziell für Feuchträume konzipiert sind. Abdichtungen und Versiegelungen sorgen dafür, dass das Material nicht aufquillt.

Bei Holz ist eine fachgerechte Montage aber sehr wichtig. Denn die beste Oberflächen-Behandlung bringt wenig, wenn das Wasser über die Fugen und die Kanten ins Holz eindringt.

In einem größeren Badezimmer bietet sich auch eine Trockenbauwand an. Für eine freistehende Wand wird ein Ständerwerk montiert und mit Rigipsplatten verkleidet. Im Badezimmer brauchen Sie aber Platten, die imprägniert sind. Zusätzlich kann sinnvoll sein, die Platten mit einer flüssigen Dichtfolie zu streichen. Die Trockenbauwand können Sie anschließend mit einer Wandfarbe gestalten, verputzen oder tapezieren.

Ähnlich wie Paneele können Sie Rigipsplatten auf direkt an die Wand kleben. Auf diese Weise müssen Sie kein Ständerwerk bauen und die Verkleidung nimmt kaum Platz weg. Befestigt werden die Platten mit Fliesenkleber auf dem gereinigten Untergrund.

Putz auf die Wände auftragen

Putz ist ein sehr vielseitiger Baustoff und macht auch im Badezimmer eine prima Figur. Denn die gängigen Putzarten nehmen Feuchtigkeit aus der Raumluft auf und geben sie später wieder ab. Dadurch kommen sie nicht nur gut mit den Bedingungen im Bad zurecht, sondern sorgen sogar für ein angenehmes und gesundes Raumklima.

Durch eine verputzte Wand entsteht eine fugenlose Oberfläche, die Sie rau oder glatt, weiß oder farbig gestalten können. Fürs Badezimmer eignen sich Mineralputze auf Basis von Gips, Kalk und Zement sehr gut. Doch auch Lehmputz ist inzwischen in speziellen Mischungen für Feuchträume erhältlich.

In Ihrem künftigen Bad ohne Fliesen können Sie den Putz direkt auf den Untergrund auftragen. Es ist nicht notwendig, die alten Fliesen zu entfernen. Und wenn Sie bereits Wände verputzt haben, können Sie die Arbeiten selbst erledigen. Haben Sie aber noch keinerlei Erfahrung, ist sinnvoller, einen Handwerker zu beauftragen.

Möchten Sie Ihr Bad selbst sanieren, ist Rollputz eine interessante Alternative zu herkömmlichem Putz. Anders als normalen Putz, den Sie aufbringen und glattziehen müssen, arbeiten Sie bei Rollputz nämlich mit der Farbrolle oder dem Pinsel. Achten Sie beim Kauf aber darauf, dass es sich um einen wasserdichten Rollputz handelt.

Die Wände tapezieren

Sie möchten nach dem Sanieren ein Bad ohne Fliesen haben, doch Lack oder Putz ist nicht Ihr Ding? Wie wäre es dann mit Tapete an der Wand?

Würden Sie die Tapete direkt auf den alten Fliesen anbringen, würden sich die Fugen aber zu sehr abzeichnen. Deshalb müssen Sie etwas Vorarbeit leisten. Dazu können Sie die Wände entweder verputzen und danach tapezieren. Oder Sie schrauben dünne Holzplatten aus Sperrholz oder MDF an die Wände und tapezieren diese.

Setzen Sie die Verschraubungen in die Fugen und über den Fliesenspiegel, können Sie die Platten später wieder abnehmen und die Spuren schnell beseitigen.

Damit Sie lange Freude an der neuen Wandgestaltung haben, verwenden Sie am besten eine Spezialtapete für Feuchträume. Meist wird es sich dabei um eine wasserabweisende Latextapete handeln. Oder Sie versiegeln eine herkömmliche Tapete mit einer Schicht Tapetenschutz. Er wird auch Elefantenhaut genannt und macht die Tapete unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit.

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Fliesen auf Fliesen verlegen

Sollen die Fliesen doch im Bad erhalten bleiben, können Sie die alten Fliesen einfach mit neuen Fliesen überkleben. Auf diese Weise sparen Sie sich das Abstemmen des vorhandenen Wandbelags.

Allerdings müssen Sie die Wände zuvor verspachteln, wenn die Oberfläche uneben ist. Und Sie sollten bedenken, dass die doppelte Lage an den Kanten sichtbar bleibt, selbst wenn Sie sehr dünne Fliesen verwenden.

Ratsam ist außerdem, einen Fachmann überprüfen zu lassen, ob es in Ihrem Bad überhaupt möglich ist, Fliese auf Fliese zu setzen. Denn wenn die Beschaffenheit der alten Fliesen nicht passt und verschiedene technische Aspekte nicht berücksichtigt werden, besteht die Gefahr, dass die neuen Fliesen nicht halten oder sich Schimmel bildet.

Bad sanieren ohne Fliesen: Ideen für den Boden

Auch für den Boden gibt es verschiedene Alternativen zu Fliesen. Dabei geht der Trend zu fugenlosen Oberflächen. Denn sie sind pflegeleicht und lassen einen Raum optisch größer wirken. Möchten Sie Ihr Bad sanieren, ohne die alten Fliesen abzuschlagen, bieten sich vor allem folgende Bodenbeläge an:

Vinyl

Ein Vinyl-Boden besteht aus PVC und einer Trägerschicht mit dem Dekor. Eine weitere transparente Schicht schützt das Muster, das ganz schlicht sein oder wie Holz, Stein oder Metall aussehen kann. Die geringe Aufbauhöhe sorgt dafür, dass oft noch nicht einmal das Türblatt gekürzt oder nach oben versetzt werden muss, obwohl der neue Belag auf den alten Fliesen liegt.

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass Sie einen modernen Vinyl-Boden ganz einfach selbst verlegen können. Vorkenntnisse oder besondere Werkzeuge brauchen Sie dafür nicht. Und weil der Boden direkt begehbar ist, ist die Badsanierung innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen.

Holz

Nicht nur an der Wand, sondern auch auf dem Boden kann Holz im Bad für eine tolle Optik sorgen. Dank moderner Herstellungsverfahren gibt es mittlerweile eine große Auswahl an Dielen und Parkett für Feuchträume wie eben das Bad oder auch die Küche.

Anders als im Garten oder in anderen Räumen im Haus sollten Sie einen Holzboden im Bad aber besser von einem Profi verlegen lassen. Denn die Verlegung muss fachgerecht und möglichst ohne Fugen erfolgen. Außerdem ist wichtig, dass sowohl die Oberfläche als auch die Katen gut versiegelt sind. Andernfalls könnte Spritzwasser eindringen und dazu führen, dass das Holz aufquillt oder kaputt geht.

Kork

Kork ist ein fußwarmes, robustes und langlebiges Material. Erhältlich ist Kork in Form von Platten, die ähnlich verlegt werden wie Laminat mit Klick System. Versiegelt und mit einem passenden Kantenschutz ausgestattet, kommt Kork auch mit der Feuchtigkeit im Badezimmer prima zurecht.

Steinteppich

Möchten Sie Ihr Bad sanieren und mit einem Steinteppich ausstatten, ist das möglich, ohne die vorhandenen Fliesen herauszunehmen. Allerdings müssen Sie den Untergrund grundieren.

Ein Steinteppich besteht tatsächlich aus kleinen Steinen. Sie sind in verschiedenen Körnungen, unterschiedlichen Formen und allerlei Farben erhältlich. Um die Steinchen zu fixieren und eine geschlossene Fläche zu schaffen, werden sie in Epoxidharz oder Acryl eingebettet.

Je nach Zusammensetzung ist ein Steinteppich zwischen sechs und zwölf Millimeter dick. Lassen Sie die alten Fliesen liegen, wird der Fußboden also ein ganzes Stück höher. Deshalb werden Sie meist die Tür anpassen und sich unter Umständen eine Lösung für den Übergang zum nächsten Raum überlegen müssen.